Christine Cazon – Mörderische Côte d’Azur

Filmstar mit düsterer Vergangenheit.

Kommissar Léon Duval wird gleich an seinem ersten Arbeitstag in Cannes als neuer leitender Kommissar zum Filmfestival gerufen. In der Vormittagsvorstellung wurde der Filmemacher Serge Thibaut während der Vorstellung seines eigenen Filmes erschossen. Ein präziser Schuss aus einem Kleinkalibergewehr in den Kopf lässt die Tat eines professionellen Schützen vermuten.

Die Ermittlungen führen den ruhigen, besonnenen Kommissar zur Crème de la Crème des Festivals, zu vielen berühmten Persönlichkeiten der Stadt und in die Vergangenheit des Ermordeten. Auch wenn ihm Vorgesetzte mit Rang und Namen immer mehr die Richtung seiner Ermittlungen vorgeben wollen, lässt sich Duval nicht beirren und folgt seinen Instinkten auf der Suche nach Motiven und Beweisen.

Quelle: Verlag Kiepenheuer & Witsch, Genehmigung: vorablesen.de
Quelle: Verlag Kiepenheuer & Witsch, Genehmigung: vorablesen.de

Der Ermordete ist zusammen mit einer Gruppe brasilianischer Ureinwohner auf dem Festival gewesen, dem Volk dem sein aktueller Film gewidmet war. Die Anzeichen mehren sich, dass die verbündete Naturschutz-Organisation Nature & Life nicht nur rühmliche Interessen verfolgt sondern durchaus auch rein wirtschaftliche. Und in der Vergangenheit hat der Ermordete bereits einen Prozess wegen sexueller Belästigung einer Minderjährigen überstanden.

„»O, là, là, vor ein paar Jahren war das alles noch in Ordnung, was soll ich also anstelle von Indianer sagen?« – »Indigene Bevölkerung.« – »Was für ein Quatsch.«“ (S. 168)

Im ersten Roman von Christine Cazon werden gleich viele bewegende und ernste Themen behandelt. Sexueller Missbrauch von Kindern und Rassismus seien als Beispiel genannt. Eingebettet in eine spannende Handlung regt die Autorin zwar zum Nachdenken an, hebt aber keinesfalls den vorwurfsvollen Zeigefinger. Der klassische Kriminalroman mit Niveau bedient sich hierfür des Protagonisten: einem unbedarften, erfahrenen und eigensinnigen Kommissars.

Der Charakter des Kommissars erinnert ein klein wenig an Simenons Maigret, was aber auch am Land in dem sich die ganze Geschichte abspielt liegen könnte. Ihn prägt ein scharfsinniger Verstand, eine gute Beobachtungs- und Kombinationsgabe, vor allem der Drang die Wahrheit ans Licht zu bringen – unbeeindruckt von Vorgesetzten die ihm Steine in den Weg werfen.

Teils wirkt Duval ruhig und gelassen, manchmal lässt er aber auch seinen Emotionen freien Lauf und sagt seinen Kollegen die Meinung ins Gesicht. Insbesondere seine Ehrlichkeit und seine Sehnsucht nach einer normalen Familie ohne Streit und Trennung von seiner Frau führen zu einer Sympathie für den Kommissar – auch wenn letzteres aufgrund seines Engagements im Beruf sehr unwahrscheinlich erscheint. Mörderische Côte d’Azur ist ein klassischer Krimi der alten Schule, mit französischem Flair und brandaktuellen Themen eine Empfehlung für alle Krimi-Fans.

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