Dinah Marte Golch – Wo die Angst ist

Kalt. Ehrlich. Tiefgründig.

Sigi Kamm, Kriminalkommissar bei der Mordkommission Potsdam, wird zu einem Gewaltverbrechen gerufen: ein Schüler wurde brutal zusammengeschlagen. Nur mit Hilfe eines Passanten kann der Schüler mit schwersten Verletzungen überleben und liegt nun im Krankenhaus im Koma. Der Schüler hat sich gegen rassistische Gruppierungen eingesetzt, die Täterbeschreibung passt auch auf einen Täter aus der rechten Szene. Also evtl. eine politisch motivierte Tat.

Das Opfer Noyan Akay war vor einiger Zeit in psychiatrischer Behandlung, nachdem er ausgerechnet von Sigi Kamm verhaftet und vor Gericht beschuldigt wurde. Die Schlammschlacht vor Gericht zwischen dem Kommissar und der Psychologin Alicia Behrens ist allen noch präsent. Und nun soll auch noch ausgerechnet Alicia Behrens die Polizei in diesem neuen brutalen Gewaltverbrechen unterstützen? Sie soll dem Vater des Opfers sowie dem bedrohten Zeugen und seiner Familie helfen mit der Situation klarzukommen. Alicia Behrens geht dabei ohne Rücksicht auf bestimmte Gefühle vor und hält ihren Patienten in brutaler Weise die Wahrheit vor Augen. Denn nach Ihrer Ansicht müssen die Patienten die Wahrheit, die Angst und auch die Wut zuerst akzeptieren, bevor sie lernen können damit umzugehen.

„Angst in seinen Augen. Pure Angst. Wovor auch immer: vor den Nazis, vor der Auseinandersetzung mit seiner Frau, davor, seine Tochter zu verlieren. Alicia Behrens lächelte ihn an: »Da, wo die Angst ist, geht’s lang!«“ (S. 92)

Bei den Ermittlungen kommt es recht schnell zu ersten Erfolgen, allerdings streitet ein potentieller Verdächtiger aus der rechten Szene die Tat ab. Und dann gibt es da noch andere kleine Ungereimtheiten die einfach nicht ins Bild passen.

In rasantem Tempo wird der Leser in diesen Kriminalroman hineingeführt und die Spannung wird sehr schnell aufgebaut. Die Charaktere sind gut dargestellt, die Situationen, Orte und Umgebungen einfach und nüchtern beschrieben. Der Leser wird durch die Gedanken von Sigi Kamm und Alicia Behrens mit unterschiedlichen Sichtweisen durch die Handlung geführt. Er kann teilhaben an ihren Vorstellungen, Wünschen und auch Problemen.

Eine Auftragsarbeit des Verlages, welche die Autorin mit Bravur absolviert hat. Das Buch macht von der ersten bis zur letzten Seite Spaß und ist durch seine ehrliche, nüchterne Beschreibung teilweise sehr tiefgründig. Der Leser wird z.B. mit den Unzulänglichkeiten der Justiz und der Machtlosigkeit der Polizei gegenüber bestimmter Verbrechen konfrontiert. Gerade durch diese ehrliche Auseinandersetzung mit der Realität gewinnt das Buch an Reiz. Ein absolut empfehlenswertes Debüt mit hohem Potential für die hoffentlich folgende Fortsetzung der Reihe.

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