Eva Adam – Fleischeslust in Unterfilzbach

Presssack zum Frühstück.

Eigentlich ist Hansi Scharnagl ein sehr umgänglicher Mensch. Aber er hat halt so seine Gewohnheiten. Aktuell beispielsweise hat er den „neuen alten“ Presssack der Metzgerei Aschenbrenner lieben gelernt.
Das heißt er genießt ihn am liebsten morgens mit viel Zwiebeln zum Frühstück. Ganz zum Leidwesen seiner Frau Bettina, die ihn lieber mit ein paar Pfund weniger auf den Rippen sehen würde.

Als dann der ehemalige Metzger und jetzt Vegetariar-Botschafter Max Saxinger ermordet wird, bringt dies das Leben des Hansi Scharnagl deutlich durcheinander. Bestimmt auch aufgrund seiner detektivischen Spürnase, die sofort Blut leckt. Und auch einige Unterfilzbacher scheinen auf den Bauhof-Mitarbeiter und Hobby-Detektiv zu vertrauen, da die Bemühungen der lokalen Polizei mit ihrem Ermittler Bernhard Dietl keine Aussicht auf Erfolg versprechen.

Quelle und Genehmigung: Luzifer Verlag

Das kommt Hansi Scharnagl natürlich gerade recht. Wer, wenn nicht er, der diesen Mord an Max Saxinger aufklären wird? Zusammen mit seinem besten Freund Sepp Müller nimmt er auf seine Art und Weise die Ermittlungen auf. Dank der tatkräftigen Unterstützung seiner Frau und ein bisschen Intuition beginnt Hansi Scharnagl einen Stein nach dem anderen rumzudrehen. Natürlich ohne dabei seine täglichen Bauhofpflichten wie das Mähen des Rasens mit dem bauhofeigenen Graskiller 4.0 im Park zu sehr zu vernachlässigen. Und natürlich greift er dem Polizisten Bernhard Dietl auch mit guten Ratschlägen unter die Arme.

„»Also Bernhard, schau, du bist doch ein super Polizist, des weiß ja jeder im Dorf. Aber hier ist es nicht ganz eindeutig, was da wirklich passiert ist. Und bevor du eine Fehlentscheidung triffst, lassen wir doch lieber einmal eine Obduktion von beiden Opfern machen, oder?«, sprach Hansi mit dem Selbstbewusstsein eines Polizeipräsidenten. Während seiner Ausführungen lehnte er sich mit derselben Coolness an die mit Spinnweben überzogene halbhohe Gittertür zum Hühnerstall, wie James Bond es auch getan hätte.“ (S. 65)

Dieser vierte Regional-Krimi von Eva Adam erschienen im Luzifer-Verlag hatte meine Neugierde geweckt. Die Bayerischen Regionen bieten aber auch viel Charme um einen Lokal-Krimi mit einem sympathischen, eigenartigen und irgendwie doch cleveren Protagonisten zu spicken. Eva Adam ist das in diesem Roman gelungen: Hansi Scharnagl ist schuldig und unschuldig zugleich, immer hungrig und durstig, und gerade im privaten Umfeld eine haarmoniebedürftige Dampfwalze.

Mit viel Witz, Sarkasmus und einer Portion niederbayerischer Lebenskunst kann man sich treiben lassen und einfach nur genießen. Natürlich sollte man keine höchstphilosophische Dichtkunst und auch keinen Spannungsbogen erwarten, der einen nicht schlafen lässt. Es ist vielmehr eine Hommage an die Region Niederbayern und das dort lebende eigenartige, sympathische Völkchen. Eine klare Empfehlung für alle Regional-Krimi-Fans.

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