Linda Castillo – Die Zahlen der Toten

Erste Thriller-Gehversuche einer Romantic-Suspense-Autorin.

Beim Versuch ein paar entlaufene Kühe wieder auf ihre Weide zu treiben, entdeckt Officer T. J. Banks eine weibliche Leiche. Die Leiche ist brutal zugerichtet und mit einem merkwürdigen Zeichen auf dem Unterleib verstümmelt. Mitten im Schnee auf der Weide wurde sie abgelegt, keiner hat etwas gesehen oder bemerkt.

Die Ermittlungen führen Kate Burkholder, Polizeichefin von Painters Mill in Ohio zurück in ihre eigene Vergangenheit. Denn vor 16 Jahren gab es hier sehr ähnliche Morde. Damals hatte die Presse dem Mörder den Namen „Der Schlächter“ verpasst. Und genau dieser scheint wieder zurück zu sein. Wenn da nicht eine kleine Information aus dem Privatleben der ehemals amischen Kate Burkholder genau dem widersprechen würde. Denn der damalige Mörder kann es nicht gewesen sein, er ist nämlich nicht mehr am Leben. Der Modus Operandi deutet aber genau darauf hin. Und einige Ermittlungsdetails wurden nie veröffentlicht.

„Ein halbes Leben lang habe ich mit der Überzeugung gelebt, einen Mann umgebracht zu haben. Ich habe mir vergeben und auch Gott um Vergebung gebeten. Ich habe meine Tat rationalisiert, mein Schweigen, das Schweigen meiner Familie. Und irgendwie habe ich gelernt, damit zu leben. Doch dieser Mord stellt das nun alles in Frage. (S. 65)“

Quelle und Genehmigung: S. FISCHER Verlag GmbH

Schon 2010 erschien dieser Roman um die ehemals amische Polizeichefin Kate Burkholder und ich bereue nicht, dass ich nicht schon früher auf diese Serie gestoßen bin. Linda Castillo hat sich leider zu vieler Klischees bedient: eine Superheldin die vier Tage und Nächte durcharbeiten kann ohne auch nur eine Minute zu schlafen, eine bemitleidenswerte Minderheit die natürlich sofort der übelsten Straftaten bezichtigt wird und ein psychisches Wrack, welcher sich während des Romans in einen Helden verwandelt. Ach ja, drei Seiten Sex dürfen natürlich auch nicht fehlen und der Böse wird erst ganz am Ende entlarvt, natürlich jemand mit dem man „nie“ hätte auch nur im Ansatz rechnen können.

Gut, ich gebe zu vielleicht bin ich auch etwas voreingenommen an dieses Buch herangegangen. Ich persönlich bin der Meinung, dass es nur sehr wenig Gründe gibt, einen Thriller in Ich-Erzählperspektive zu schreiben. Und auch in diesem Fall wirkte die Ich-Erzählperspektive eher als armseliges Mittel um dem Leser Informationen vorzuenthalten. Die Autorin hat auch bis zu diesem ersten Thriller eher Romantic-Suspense-Fans bedient. Gut, auch dabei spielt Spannung eine Rolle, aber hätte sie vielleicht lieber komplett dabei bleiben sollen?

Positiv hervorheben möchte ich John Tomasetti. Mit diesem Charakter ist es der Autorin doch gelungen auch bei mir Sympathie-Punkte zu sammeln. Seine Vergangenheit hat ihm übel mitgespielt und er hat mit die menschlichsten Züge im ganzen Buch gezeigt. Und die Spannung war tatsächlich bis zum Schluss zu spüren. Doch selbst mit diesen Pluspunkten bleibt es bei einem unterdurchschnittlichen Eindruck. So schnell werde ich wohl nicht wieder zu einem Buch von Linda Castillo greifen.

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