Andreas Gruber – Rachesommer

Was ist der Unterschied zwischen einer Anwältin und einem Ex-LKA-Beamten?

Evelyn Meyers arbeitet seit elf Jahren in der Kanzlei Krager, Holobeck & Partner als Anwältin für Zivilrecht. In der Kanzlei werden dank der beiden Staranwälte Krager und Holobeck vor allem die prominenten österreichischen Unternehmen vertreten. Nur ganz selten nimmt die Kanzlei private Mandanten an. So wie in dem Fall des vermeintlich verunglückten Heinz Prange. Erschlagen von einem kleinen batteriebetriebenen Kassettenrecorder, welcher ihm durch einen ausgelösten Airbag ins Gesicht geschleudert wurde. Doch irgendetwas stimmt an diesem Fall nicht. Das vermutet Evelyn Meyers insbesondere nachdem sie eine Verbindung zum verunglückten Rudolf Kieslinger entdeckt, der auf einer Baustelle ihres Onkels Jan umgekommen ist. Zuviel unglückliche Umstände für ihren Geschmack. Und deshalb fängt Evelyn selbst an ein wenig nachzuforschen.

Parallel dazu ermittelt Walter Pulaski beim Kriminaldauerdienst Leipzig. Er wird zu einem Suizid in die geschlossene psychiatrische Anstalt Markkleeburg gerufen, welche auf die Behandlung multipler Persönlichkeitsstörungen spezialisiert ist. Dort hat sich die 19jährige Natascha Sommer das Leben genommen, welche vor knapp 10 Jahren nach schwersten Misshandlungen eingeliefert wurde. Ihre Therapeutin Sonja Willhalm hält einen Suizid jedoch für sehr unwahrscheinlich, da sich der Zustand von Natascha Sommer in der letzten Zeit merklich gebessert hatte. Und auf einmal entdeckt auch Pulaski Indizien, die den Selbstmord in Frage stellen. Und mit seiner „Kopf-durch-die-Wand“-Mentalität beginnt er eine Mordermittlung einzuleiten, die schon bald vom LKA übernommen wird.

„»Hör zu!«, unterbrach Pulaski den Redeschwall seines Kollegen. »Bevor du den Jungs vom LKA die Schachtel mit den Unterlagen gibst, kopierst du alle Patientendossieres.« – »Du hast sie wohl nicht alle! Das sind siebzig Akten!«, stöhnte Malte. – »Mach es!« – »Warum, zum Teufel?« – »Ich habe nicht vor, den Fall abzugeben.«“ (S. 136)

Nachdem ich vor einigen Jahren die Thriller von Andreas Gruber rund um Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez als Hörbucher kennenlernen durfte, habe ich mir dieses Jahr sein zweites Ermittlerteam vorgenommen: Evely Meyers und Walter Pulaski, von denen es inzwischen auch bereits drei Bände gibt. Und ich muss zugeben, ich wurde nicht enttäuscht.

Quelle und Genehmigung: Randomhouse Verlagsgruppe

Mit Walter Pulaski hat Andreas Gruber einen ähnlich schrägen Vogel erschaffen wie Maarten S. Sneijder. Der kettenrauchende Asthmatiker war mir zwar zu Beginn nicht ganz so sympathisch wie der kiffende Sneijder, aber im Laufe der Zeit hat auch Pulaski genug Sympathie-Punkte bei mir gesammelt. Und mit Evelyn Meyers ist eine Protagonistin entstanden, die man so nicht erwartet. Sie ist humorvoll auf der einen Seite – eine sympathische katzenfreundliche Krimileserin – und auf der anderen Seite ist sie doch ziemlich verbissen, ehrgeizig und hat auch ihr eigenes Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen. Mit beiden Protagonisten hat Gruber Charaktere geschaffen, die genug Potential für die nächsten Bände dieser Serie mitbringen.

Den Thriller kann man aufgrund eines klasse Spannungsbogens und einem guten Lesefluss in einem Rutsch verschlingen und man verliert nie den Spaß dabei. Von meiner Seite gibt es deshalb eine klare Leseempfehlung, insbesondere wenn man bereits Thriller von Andreas Gruber gelesen und diese für gut befunden hat.

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