Katrine Engberg – Krokodilwächter

Die Abgründe einer Krokodilwächter-Seele.

Julie Stender wurde in Kopenhagen ermordet. Die junge Studentin hatte sich erst vor kurzem zum Literaturstudium eingeschrieben und wird auf bestialische Weise hingerichtet in ihrer Wohnung aufgefunden. Der Mörder ging dabei fast schon künstlerisch an sein Werk und hat für die Kollegen Jeppe Kørner und Anette Werner bewusst Spuren hinterlassen. Alles deutet auf eine bestimmte Person hin.

Während der Ermittlungen stellt sich heraus, dass Julie keine einfache Kindheit hatte. Und der eine oder andere Fehltritt wurde auch nicht mit Verständnis aus dem Elternhaus beantwortet, sondern mit radikalen Maßnahmen geahndet. Auch ihr Vater zeigt sich trauernd, verzweifelt und wütend – und damit leider nicht sehr kooperativ bei den Ermittlungen.

Quelle und Genehmigung: Diogenes Verlag

Und dann ist da natürlich noch die obligatorische private Seite der Ermittler: Jeppe Kørner hat sich gerade erst von seiner Frau getrennt, nachdem ein jahrelanger Kinderwunsch unerfüllt blieb. Nach einer längeren Auszeit hat er den Dienst wieder angetreten, hat an diesem Fall aber wieder kräftig zu knabbern. Und die starken Schmerzmittel die er wegen seiner (Phantom?-)Rückenschmerzen schluckt helfen auch nicht bei der Stabilisierung seines psychischen Zustands.

„Im Moment unseres Todes machen wir irgendjemandem Arbeit. Wer war die junge Frau, die hier gerade vom Boden gekratzt und in Tüten gesteckt wurde? Warum war ausgerechnet sie daran gehindert worden, Karriere zu machen, zu heiraten, Kinder zu bekommen? Jeppe dachte mit Unbehagen an die Familie, die er in Kenntnis setzen musste, sobald man die Tote identifiziert hatte.“ (S. 28)

Katrine Engberg beschreibt in ihrem Kopenhagen-Thriller einen Fall, der skurril ist und zugleich unter die Haut geht. Das Ermittler-Duo Jeppe Kørner und Anette Werner wirkt dabei authentisch und „wie aus dem Leben gegriffen“. Keiner ist perfekt, keiner wirklich unsympathisch. Das Buch liest sich flüssig und man findet sich schnell mitten in der spannenden Geschichte um die ermordete Studentin wieder.

Dann passiert aber etwas Interessantes: von Beginn an gibt es immer wieder literarische Zeilen innerhalb des Thrillers. Quasi ein Buch im Buch. Und irgendwann macht es beim Leser „Klick“ und der Zusammenhang dieser einzelnen Sequenzen zum gesamten Geschehen wird klar. Und damit alles noch aufregender.

Mir hat der Thriller Spaß gemacht und auch die teilweise blutrünstige Darstellung von Details konnte mich nicht abschrecken. Und gleichzeitig durfte ich – wie ich es von Diogenes gewohnt bin – auch noch etwas lernen: zum Beispiel was ein Krokodilwächter eigentlich ist. Die Meinungen zu diesem Debüt von Katerine Engberg gehen auseinander, das Publikum ist gespalten. Man muss sich wohl selbst ein Bild machen. Allerdings gibt es von meiner Seite eine klare Empfehlung für Thriller-Fans, die mit ein bisschen weniger Action zufrieden sind.

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