Meike Wiedemann und Kirsten Segler – Neurofeedback

Helfe deinem Gehirn sich selbst zu helfen.

Neurofeedback ist eine Therapieform deren Ursprung bereits auf Studien mit Katzen in den 70er-Jahren zurückgeht. Damals zeigte Sterman, dass es ihm gelungen ist, Katzen so zu trainieren, dass sie ihre EEG-Signale aktiv beeinflussen. Und durch einen Zufall ergab sich später eine Korrelation dieser trainierten Katzen zur Unempfindlichkeit bzgl. der gezielten Auslösung von epileptischen Anfällen. Eine bahnbrechende Entdeckung im Bereich der mentalen Gesundheit.

Quelle und Genehmigung: Randomhouse Verlagsgruppe

Heutige Neurofeedbackverfahren nutzen unterschiedliche EEG-Signale um bewusste oder unterbewusste Reaktionen des Gehirns auszulösen. Begonnen bei einfachen Frequenzband- und Amplitudentrainings, bei denen der Patient bewusst mit Hilfe seines EEGs eine Reaktion verursachen soll bis hin zum ILF-Training. Bei letzterem werden dem Patienten Veränderungen in sehr niedrigen Frequenzbereichen des EEGs mit Hilfe von Video- und Audio-Signalen dargestellt und das Gehirn versucht hier unterbewusst eine Verbesserung der Bild- oder Ton-Qualität zu erreichen.

Alle Methoden haben eins gemeinsam: Den Patienten erwartet eine „spielerisch einfache Therapie“ welche nur sehr selten als unangenehm empfunden wird. Gleichzeitig ist die Liste der Indikationen bei denen Neurofeedback zum Einsatz kommen kann sehr lang: von ADS/ADHS über Angststörungen bis hin zu posttraumatischen Belastungssyndromen kann Neurofeedback eine psychotherapeutische oder ergotherapeutische Behandlung sehr gut unterstützten. Selbst bei bislang erfolglos behandelten Autismus-Patienten zeigte Neurofeedback gezielte Veränderungen im Verhalten des Patienten. Häufig ist dies für die Patienten und auch die Angehörigen eine sensationelle und sehr emotionale Erfahrung.

„ADHS, Angststörungen, Migräne, Depressionen … Wie kann eine einzige Therapieform bei derart verschiedenen Erkrankungen hilfreich sein? Tatsächlich haben alle diese Störungen eine wichtige Gemeinsamkeit: Die grundsätzliche Erregbarkeit des Gehirns und seine Fähigkeit, sich selbst zu regulieren, sind nicht (mehr) in einer gesunden Balance.“ (S. 85)

Gerade aufgrund der langen Indikations-Liste wird Neurofeedback oft als unlauteres Allheilmittel angesehen und schnell in einen esoterischen Bereich abgedrängt. Umso bedeutender war die Aufnahme von Neurofeedback als ergänzende Therapieform für AD(H)S in die Leitlinien der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Jahr 2018. Zum ersten Mal seit vielen Jahren wurde Neurofeedback als Therapieform von Wissenschaftlern mit hoher Reputation öffentlich anerkannt.

Ich selbst habe mich mit diesem Thema aus beruflichen Gründen beschäftigt. Hier hat man mir dieses Buch als Einsteigerlektüre nahegelegt und ich durfte in einem persönlichen Gespräch sogar die Autorin Meike Wiedemann kennenlernen. Auch wenn ich inzwischen selbst von der Therapie, ihrer Anwendung und ihrer Wirkung überzeugt bin, kann ich dieses Buch ruhigen Gewissens allen Lesern empfehlen, die sich mit der Thematik aus persönlichen oder familiären Gründen neutral auseinandersetzen möchten. Klar strukturiert, knapp und verständlich formuliert bringen einem die Autorinnen eine Therapieform nahe, die vielversprechend und innovativ zugleich ist.

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