Jesper Stein – Unruhe

Unruhe in Kopenhagen.

Axel Steen ist Vizekriminalkommissar beim Morddezernat. In einer Nacht voller Unruhen und Straßenschlachten im Kopenhagener Stadtteil Nørrebro wird er zu einem Mord auf dem Friedhofsgelände gerufen. Um 2.30 Uhr nachts haben die patrouillierenden Polizisten einen toten Aktivisten gefunden. War evtl. ein Polizist in den Fall verwickelt? Da die Methoden von Axel Steen zwar stets effektiv aber manchmal etwas rabiat sind, wird er von seinem Chef aufgefordert diesen Fall nüchtern und ohne Aufsehen zu bearbeiten. Die Ermittlungen zeigen, dass auf der Dachterrasse auf dem Haus gegenüber eine Kamera installiert war. Evtl. wurde der Mord von dieser Kamera gefilmt?

Quelle: Verlag Kiepenheuer & Witsch, Genehmigung: vorablesen.de
Quelle: Verlag Kiepenheuer & Witsch, Genehmigung: vorablesen.de

Axel Steen hat alle Hände voll zu tun, insbesondere da er neben den eigentlich Ermittlungen auch mit privaten Problemen zu kämpfen hat. Nachdem ihn seine Frau verlassen hat, sieht er seine kleine Tochter nur noch selten, und die Begleitung seiner Tochter in die Pathologie bietet natürlich genügend Angriffsfläche für seine Ex-Frau Cecilie. Dazu kommt noch ein psychosomatisches Problem: Axel Steen leidet unter Hypochondrie und vermutet eine starke Herzerkrankung. Sämtliche Untersuchungen fördern jedoch nichts zu Tage. Um trotzdem ruhig zu schlafen, genehmigt er sich ab und an einen kleinen Joint.

Allmählich wird nun auch die Presse auf den Mord aufmerksam. Der Druck auf die Ermittler steigt. Und zu allem Überfluss mischt sich auch noch der inländische Geheimdienst PET ein. Geht es evtl. um Drogenschmuggel? Ausländische Verbrecher scheinen ebenfalls involviert zu sein, und welche Rolle spielen die verschiedenen Presse-Institutionen überhaupt?

„»Unten läuft ein kleines Mädchen herum und öffnet die Schubfächer mit den Leichen. Sie singt dabei.«“ (S. 112)

Jesper Stein schreibt in einem angenehmen Stil und stellt die Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten, realistisch und gut dar. Der Leser bekommt schnell ein Gespür welcher der Charaktere ein sympathischer und welcher ein unangenehmer Zeitgenosse ist. Interessant sind auch die Hintergründe, die in dem Roman verarbeitet werden: die schlechten Beziehungen des Protagonisten zur Presse gehen auf Ausschreitungen am 18. Mai 1993 zurück.

Das Buch macht bis zur letzten Seite Spaß – insbesondere auch wegen der vielen abwechslungsreichen Themen die verarbeitet werden. Der Spannungsbogen hält sich lange auf einem hohen Niveau. Eine gute Unterhaltung, ein guter Krimi aus Dänemark – einem Land aus dem bislang noch nicht allzu viel kriminalistische Literatur in Deutschland bekannt wurde. Der erste Fall für Kommissar Steen von Jesper Stein ist auf jeden Fall lesenswert.

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