Massimo Carlotto – Die Marseille-Connection

Kriegsführung mit Geld, Drogen und Sex.

Der Russe Sosim Katajew, der Inder Sunil Banerjee, der Italiener Giuseppe Camorrista und die Schweizerin Inez Theiler haben sich beim Studium kennengelernt. Unzufrieden mit sich, der Welt und insbesondere ihren Eltern haben Sie beschlossen alles zu ändern. Mit allen Mitteln. Aus diesem Grund treffen Sie sich nach Jahren in Marseille um ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Für ihre Pläne bestehend aus illegalem Organhandel, illegaler Müllentsorgung und anderen dunklen Machenschaften treten Sie mit dem korruptesten Kreis Marseilles zusammen – der Bremond-Clique. Einem Zusammenschluss aus einem Generaldirekter einer großen Bank, dem Eigentümer und Gründer einer Immobilien-Gesellschaft, einem Notar und einem Bauunternehmer. Alle haben eins gemeinsam: für viel Geld haben sie sich den Gang ins Gefängnis erspart und müssen nun jedes halbwegs lukrative Angebot zum Geldverdienen überdenken. Gleichzeitig ist Sosim noch im Auftrag des russischen Geheimdienstes FSB unterwegs, welcher eigene Pläne verfolgt. Hierfür erarbeiten die vier Freunde eine eigene Ausstiegsstrategie.

Quelle: Klett-Cotta Verlag, Genehmigung: vorablesen.de
Quelle: Klett-Cotta Verlag, Genehmigung: vorablesen.de

Parallel dazu wird die Geschichte eines Kriminellen auf der Flucht von Mexiko nach Marseille berichtet. Kurz nach der Landung in Frankreich mit einigen Kautschuk-Päckchen mit Kokain im Darm wird Esteban Garrincha wird von der Kommissarin Bernadette Bourdet im 13. Arrondissement von Marseille festgesetzt. Die Kommissarin, kurz B. B., hat es sich zur Aufgabe gemacht mit ihren eigenen Mitteln und unter Druck gesetzten Kleinkriminellen ihren Krieg gegen die Korruption und den Drogenhandel der Stadt zu führen. Hierbei wird sie von den oberen Riegen geduldet, mehr aber auch nicht.

„Giuseppe fiel ihr Motto wieder ein: »Auf die Schlimmsten! Wir sind diejenigen, die ihre Eltern umbringen, um den Ausflug des Waisenhauses mitzumachen.«“ (S. 104)

Massimo Carlotto startet mit seiner typischen Verachtung für Kriminalität und staatlicher Autorität in eine Erzählung über Organhandel, illegale Müllentsorgung, Sex, Korruption und Drogenhandel. Dabei macht er keinen Halt vor der französischen, ja eigentlich vor gar keiner Regierung und staatlichen Institution. In seinem neuesten Roman klagt er die Korruption, die Machtlosigkeit gegen die Kriminalität und das Unverständnis einiger Eltern für die Ziele und Wünsche ihrer Kinder an.

Der Autor schafft es für einige der Kriminellen sogar ein gewisses Maß an Sympathie und für die Kommissarin eine Antipathie beim Leser entstehen zu lassen. Man weiß nicht immer auf wessen Seite man steht und gerät in Versuchung sich mit dem einen oder anderen Wunsch und den Sehnsüchten der Verbrecher zu identifizieren. Gerade diese Gefühle machen das Buch einzigartig. Der Schreibstil ist erwartungsgemäß einfach und man sollte keine allzu großen Ansprüche an die Dialoge setzen, trotzdem – ja vielleicht gerade deshalb – macht dieses Buch Spaß.

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